AMSAT OSCAR-10

AMSAT-DL


 

April 1983: Der fertig integrierte AMSAT OSCAR-10 (P3-B) kurz vor der Montage im SYLDA

AMSAT OSCAR-10

 

Kürzel :

AO-10

Projektname :

Phase 3-B

Internationale Kennung :

1983-058B

NASA-catalog-no. :

14129

Start :

16.06.1983 mit der ARIANE-2 (L6) der ESA

Erbaut durch :

AMSAT-Deutschland (Planung, Projektleitung, Bau) unter Beteiligung internationaler AMSAT-Organisationen.

Abmessungen :

Durchmesser 126 cm, Höhe 50 cm (ohne Antennen)

Startmasse :

140 kg

Lageregelung :

Magnetsystem (siehe Bemerkungen)

Lizenz/Rufzeichen :

DL0WCY (Inhaber Karl Meinzer, DJ4ZC)

 

Missionsaufgabe : Kommunikationssatellit mit mehreren Transpondern

Bahntyp :

hoch elliptisch

Apogäumshöhe :

35450 km

Perigäumshöhe :

4000 km

Inklination :

27

Umlaufzeit :

699 min


Bakenfrequenz 1 :

145,810 MHz (allgemeine Bake)

Bakenfrequenz 2 :

145,987 MHz (Ingenieursbake +6dB)

Bakenmode :

unmodulierter Träger (s. Bemerkungen)


Transponder

linear, invertierend, Mode B

Downlink (MHz)

Uplink (MHz)

145,825 - 145,975

435,180 - 435,030

max. empfohlene Strahlungsleistung : 500 W eirp

Das Passband ist wie folgt für die unterschiedlichen Betriebsarten eingeteilt:
5 % reserviert, 30 % nur CW, 30 % CW+SSB, 30 % nur SSB, 5% reserviert
(bezogen auf Downlink in aufsteigender Frequenzfolge)


Bemerkungen :

AMSAT OSCAR-10 eröffnete völlig neue Dimensionen im Amateurfunk. Als hochfliegender Satellit in einer elliptischen Umlaufbahn (Molnija-Orbit) mit einem Apogäum von 35.000 km und einem Perigäum von 4.000 km, waren erstmals Funkverbindungen bis zu mehreren Stunden Dauer mit aller Welt möglich. Die Umlaufzeit beträg ca. 12 Stunden. 10 Watt Sendeleistung und eine 16 dB zirkular polarisierte Sendeantenne erlaubten auch C- Lizenzinhabern den DX-Verkehr mit Japan, USA, Südameri ka und vielen "seltenen" Ländern.

AO-10 ist ein drallstabilisierter Satellit, der sich mit etwa 30 Umdrehungen pro Minute drehte. Als erster Satellit der Welt hatte er einen freiprogrammierbaren Computer an Bord, dessen Software komplett vom Boden aus austauschbar war und der gleichzeitig die Navigation und Verwaltung (Housekeeping) des Satelliten erledigte. Da der Bordcomputer durch Strahlenschäden ausgefallen war, ist eine aktive Lageregelung und Steuerung des Satelliten inzwischen jedoch nicht mehr möglich. Aus diesem Grund sendet die Bake in der Regel einen unmodulierten Träger. Die Ingenieursbake ist nur während Kommandozugriffen zu hören. Sie wird dann mit 400 Bit/s PSK-moduliert.

AO-10 hat zwei Transponder an Bord. Der Mode-B Transponder hat eine Ansprechfrequenz im 70cm-Band und sendet im 2m-Band zur Erde zurück. Bei einer Bandbreite von 150 kHz sind etwa 50 Verbindungen gleichzeitig möglich. Der Mode-L Transponder hat eine Ansprechfrequenz im 23cm-Band und eine 70cm Strecke zum Boden. Bei einer Bandbreite von 800 kHz ermöglichte er etwa 300 gleichzeitige Verbindungen.

Nach dem Ausfall des Bordrechners ist nur noch der Mode-B Transponder eingeschaltet. Der frühere Mode-L ist nicht mehr in Betrieb! Da die Richtantennen meist nicht zur Erde zeigen, sind die Rundstrahlantennen ständig eingeschaltett, daher ist auch teilweise mit schwächeren Signalfeldstärken zu rechnen.

Da die Solarzellen durch den Bordcomputer nicht mehr optimal zur Sonne ausgerichtet werden können und die Batterien inzwischen defekt sind, kann AO-10 nur noch genutzt werden, wenn er ausreichend Sonnenlicht erhält. In diesem Fall ist die allgemeine Bake mit einem frequenzstabilen Signal zu hören. Schwankt die Bakenfrequenz (Jaulen) dann liefern die Solarzellen nicht mehr genügend Strom um einen einwandfreien Transponderbetrieb aufrecht zu erhalten. Wenn der Sonnenwinkel zu schlecht w ird, dann kann AO-10 für mehrere Monate vollständig verstummen. Bisher hat er sich nach seinem "Winterschlaf" jedoch immer wieder zurückgemeldet.

Durch die niedrige Inklination wandert die Bahnebene gegenüber der Äquatorialebene der Erde. Periodisch liegen Apogäum und Perigäum wechselweise über der Nord- bzw. Südhalbkugel. Damit ändert sich auch der Einzugsbereich des Satelliten. Eine Periode von der Nordhalbkugel zur Südhalkugel und zurück dauert etwa 3 Jahre und 9 Monate.

Nach dem Absturz von AMSAT OSCAR-13 im Dezember 1996 und seit dem Start des Nachfolgetyp AMSAT P3-D (AO-40), ist OSCAR-10 der einzige noch halbwegs funktionionsfähige Amateurfunkssatellit in einer Molnija-Bahn.


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