Weilheimer 30-m-Antenne vor neuen Aufgaben

Nach den Erfolgen mit der 20-m-Antenne in Bochum und Vorgesprächen mit dem DLR wurde durch die Münchener AMSAT-DL-Gruppe Ende 2003 die Reaktivierung des 30-m-Parabolspiegels des GSOC (German Space Operation Center) in Weilheim in Oberbayern in Angriff genommen. Die Antenne wurde in den 70er-Jahren für den Kommandobetrieb der deutschen Sonnensonden Helios 1 und 2 eingesetzt.

Nach eingehenden Besichtigungen der seit einiger Zeit nicht mehr genutzten Antennenanlage, stellte sich heraus, dass die Kernsubstanz (Mechanik, Lager, Leistungselektronik, Messgeber) in gutem und einsatzbereitem Zustand waren.

Die gesamte Rechnertechnik stammte allerdings auch aus den 70er Jahren. Aus den noch vorhandenen Unterlagen konnten entsprechende Schnittstellen identifiziert werden, auf die man mit heutigen Rechnern sehr gut zugreifen kann. Neben der Steuerungstechnik bedurfte auch die HF-Technik einer Erneuerung, um sie neben dem 8,4-GHz-Bereich auch für den Empfang im 10-GHz-Amateurfunkband einsetzen zu können. Dank einiger Bestände der Müncheneer Gruppe an Laborgeräten und kritischen Bauteilen, gelang es in kurzer Zeit alle HF-Komponenten bis zur 70-MHz-ZF-Ebene zusammen zu stellen.

Wegen der begrenzten Zeit, die für die Reaktivitäten neben Beruf und Familie aufgebracht werden kann, entstand sofort nach der Feststellung, dass eine Restaurierung der Anlage lohnt, der Entschluss, alle Funktionen über das Internet fernbedienbar zu machen. Auf diese Weise konnte auch Software getestet werden, ohne vor Ort fahren zu müssen.

Neben der Vermessung der Stationsgüte (G/T) konnten bislang eine Vielzahl von Beobachtung verscheidener Deep-Space-Sonden wie Rosetta, Mars Express, Mars Odyssey, Messenger (Merkur) bis hin zur Cassini (Saturn) erfolgen. Erste interessante, radioastronomische Einsätz der Antennenanlagen konnten ebenfalls abgeschlossen werden.

Aktuell stehen noch Test der Anlage für den Sendebetrieb aus. Sind diese Tests erfolgreich abgeschlossen, hat die AMSAT-DL mit der Weilheimer 30-m-Antenne nach Bochum eine weitere Möglichkeit zur Nutzung einer Großantenne für den Kommandobetrieb der geplanten P5A-Marssonde. Darüber hinaus ist auch ein radioastronomischer Betrieb der Anlage denkbar. Die Techniken und Verfahren zur Fernbedienung der Weilheimer Antenne sollen demnächst auf die Bochumer Antennenanlage übertragen werden.

Der Dank der AMSAT-DL gilt der Leitung des GSOC in Oberpfaffenhofen, Herrn Professor Klaus Wittmann, Herrn Friedrich Exter sowie dem Leiter der Bodenstation in Weilheim, Herrn Ludwig Kolbeck und seinen Mitarbeitern, die mit Rat und Tat zur Seite standen.

Die 30-m-Antenne in Weilheim

Die Münchener AMSAT-Gruppe bei Arbeiten im Fußraum der Antenne

Erste astronomische Langzeit-
messung anhand von Cassiopeia A

Blockdiagramm der Weilheimer Anlage mit den Elementen zur Fernsteuerung.

02. Dezember 2004

PDF 

Technischer Aufsatz zur Weilheimer Anlage
Die Hintergründe zur 30-m-Antenne und zur Reaktivierung duch die AMSAT-DL
(PDF, 1 MB)

 

DLR-GSOC