Trois, Deux, Un, Top - Mit ARIANE ins All
Bericht von einer Startkampagne

Seit dem ersten Satelliten der Phase 3 im Jahr 1980 haben AMSAT-Missionen immer wieder vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch Guayana ihren Weg ins All gefunden. Als Sekundärnutzlast wurden mit ARIANE-Raketen der ESA beziehungsweise später der Arianespace bislang alle vier Phase-3-Satelliten der AMSAT-DL sowie sieben Mikrosatelliten und Nutzlasten der Partnerorganisationen AMSAT-Nordamerika, BRAMSAT (Brasilien), AMSAT-LU (Argentinien), AMSAT-France, und AMSAT-Italia gestartet.

Am 23. Mai 1980 ging der erste Satellit AMSAT-Phase 3A bei einem Fehlstart des zweiten ARIANE-1-Probeflugs leider verloren. Doch bereits am 16. Juni 1983 erreichte der Nachfolgesatellit Phase 3B (AMSAT-OSCAR 10) seinen Ausgangsorbit mit einer ARIANE 1. Am 15. Juni 1988 gelangte AMSAT-Phase 3C (AMSAT-OSCAR 13) auf dem ersten Qualifikationsflug der ARIANE 4 in den geostationären Transferorbit, von wo er mit eigenem Antrieb in seine endgültige Umlaufbahn manövriert wurde.

Die Geschichte der ARIANE ist damit stark mit der AMSAT-DL verbunden, und die Hoffnungen richten sich nun auf die ARIANE 5, die bereits AMSAT-Phase 3D (AMSAT-OSCAR 40) am 16. November 2000 erfolgreich in den Orbit gebracht hat. ARIANE 5 wäre auch für die Satellit Phase-3E und die Mars-Mission Phase-5A der AMSAT-DL die erste Wahl. Der nachfolgende Bericht schildert den Ablauf einer Startkampagne in Kourou am Beispiel von Phase 3D.

10. September 2000

Das maximal 18-köpfige Team für die Startkampagne des Satelliten AMSAT-Phase 3D trifft in Kourou ein. Zunächst werden die Integrationsräume bezogen. Die beiden großen AMSAT-Container, die beraits einige Wochen zuvor nach Kourou gebracht wurden waren, enthalten Satellit, SBS-Adapter, Messgeräten und Werkzeugen und werden in die Integrationshalle verfrachtet und ausgepackt.

24. September 2000

Die noch fehlenden Komponenten IR-Laserexperiment und IHU-2 (YAHU mit YACE) werden montiert. Die gesamten Kommunikationssysteme (Empfänger, Sender, LEILA, RUDAK, ZF-Matrix, IHU-1, IHU-2) werden ebenso wie die besonderen Experimente noch einmal erfolgreich getestet.

27. September 2000

Peter Gülzow meldet als Mission Director aus Kourou: "Alle Nutzlasten sind OK. Die Thermaldecken zum Ausgleich des Temperaturhaushalts im Satelliten wurden angebracht." Die ersten Mitglieder des Teams treten nach erfolgreicher Arbeit den Heimweg an.
 

29. September 2000

Inzwischen sind die Solarzellenpanels bis auf eines montiert und getestet worden. Auch der Mechanismus zum Entfalten der Panels im Orbit wurde getestet. Die Systeme arbeiten einwandfrei. Vertreter von Arianespace und Medien besuchen das AMSAT-Team.

3. Oktober 2000

Unter großen Sicherheitsvorkehrungen beginnt die Betankung des Satelliten. Die verwendeten Treibstoffe sind hochgiftig und gefährlich. Die Betankung mit Hydrazin (MMH) und dem Oxidator (N2O4) für das 400-N-Flüssigkeitstriebwerk und Ammoniak für das Arcjet-Triebwerk ATOS kann nur in Schutzanzügen und unter ständiger externer Beobachtung erfolgen. Alle Teammitglieder mussten zuvor ein Sicherheitstraining absolvieren, für den Fall, dass es zu Lecks und dem Austritt von Antriebsstoffen kommt. Von nun an müssen alle bei ihren Arbeiten am Satelliten eine Atemschutzmaske mitführen.

9. Oktober 2000

Der langwierige Betankungsprozess ist abgeschlossen. Das letzte Solarpanel über den Tankstutzen wird montiert. Von nun an ist AMSAT-Phase 3D startklar. Der Starttermin der ARIANE 5 (Flug V135) wird auf frühestens 14. November terminiert. Bei einem Steuertriebwerk der Hauptnutzlast hat es Schwierigkeiten gegeben, die zunächst beseitigt werden müssen.

20. Oktober 2000

AMSAT-Phase 3D ist bereits im SBS-Adapterring montiert und zum Final Assembly Buildung (BAF) gebracht worden. Hier kommen alle Nutzlasten zusammen und werden auf die Raketenspitze montiert. Das gesamte Equipment zur Kontrolle und Steuerung des Satelliten zieht mit ins BAF um. Zwei andere Sekundärnutzlasten warten schon auf dem ASAP-5-Ring. P3D wird samt SBS ebefalls auf den Ring montiert. Das gesamte AMSAT-Team zieht mit dem Büro in das Blockhaus direkt neben dem Kontrollraum um. In das alte Büro ziehen neue Teams für die nächsten Starts ein.

28. Oktober 2000

Die letzten Informationen zur Telemetrie werden zusammengetragen und in den Spezifikationen der P3D-Telemetrie beschrieben. Das Dokument soll rechtzeitig vor dem Start fertig sein und über das Internet für alle zukünftigen Nutzer des P3D-Satelliten verbreitet werden. Parallel werden die letzten Arbeiten an der Telemetriesoftware vorgenommen, mit der rechtzeitig zum Start die Funkamateure die Lebenszeichen des Satelliten mitverfolgen können.

2. November 2000

AMSAT-Phase 3D sitzt auf der Raketenspitze. Das Team hat einen letzten Blick auf den Satelliten bevor ein konischer Adapter auf den SBS aufgesetzt wird, der später die Hauptnutzlast tragen wird. Von nun an kann der P3D-Satellit nur noch über ein Kabel von der Kontrollkonsole COTE aus gesteuert und überwacht werden. Jetzt gibt es kein zurück mehr.

8. November 2000

Die Spannung steigt. Das AMSAT-Startteam spielt die Startprozedur durch und gibt die letzten Informationen bekannt. Die Telemetriespezifikationen, das Telemetrieprogramm und ein erster provisorischer Kepler-Datensatz werden veröffentlicht.

13. November 2000

Nicht nur in Kourou fiebert man dem Start am 15.11. (UTC) entgegen. Die P3-Kommandostationen bereiten sich weltweit auf die Stunden nach dem Start vor. In Kourou wird die Amateurfunk-Klubstation FY5KE "startklar" gemacht, um in der Startnacht live Informationen via Kurzwelle an die zukünftigen Nutzer übertragen zu können. Die ARIANE 5 wird mit den Satelliten zum Startgelände gebracht.

14. November 2000

Der Countdown läuft- Pressekonferenz - die Rakete wird betankt. In wenigen Stunden wissen wir, ob P3D im richtigen Orbit landet und "lebt".

15. November 2000

Der Start des Satelliten muss wegen eines Kommunikationsproblems zwischen dem Hauptsatelliten und dem Kontrollzentrum um exakt 24 Stunden verschoben werden. AMSAT-P3D und die Rakete sind wohlauf.

16. November 2000

Mit einem "Bilderbuchstart" hebt ARIANE 507 um 1:07 Uhr UTC vom Startgelände ab, 43 Minuten später erfolgt die Abtrennung des P3D-Satelliten von der Trägerrakete. P3D ist nach Jahren der Entwicklung und des Baus endlich im Orbit. Jetzt übernehmen die AMSAT-Kommandostationen den Satelliten.

Bericht: Peter Gülzow, P3D Mission Director
Erstveröffentlichung: AMSAT-DL Journal, Dez. 2000

Troix, Deux, Un, Top - die ARIANE 5 hebt mit P3D an Bord ab.

Das Raumfahrtzentrum in Kourou, Französisch Guayana, empfängt das AMSAT-Team.

Der Satellit wird samt SBS-Start-
adapter nach dem Transport in einer Luftschleuse ausgepackt.

Über mehrere Tage wird der komplette Satellit noch einmal auf Herz und Nieren geprüft.

Glücklich über einen erfolgreichen Test der Solarpanels und des Entfaltungsmechanismus.

Das Betankungsteam ist einsatz-
klar für das Befüllen mit den gefährlichen Treibstoffen.

AMSAT-Phase 3D ist startklar in der SBS (Satellite Bearing Structure) montiert.

P3D und zwei Microsatelliten werden auf die Trägerrakete montiert.

Alle Schutzverkleidungen werden vom Satelliten über lange Arbeitsbühnen entfernt.