Satelliten im erdnahen Orbit - die Phase 2

Am 12. Dezember 1961 begann die Ära privat und ehrenamtlich gebauter Satelliten mit OSCAR I (OSCAR = Orbiting Satellite Carrying Amateur Radio). Noch ohne Solarzellen sendete der Satellit wenige Tage Temperaturmesswerte aus dem Orbit. Vier weitere Projekte dieser Serie kurzlebiger Satelliten folgten, dann war die Phase 1 abgeschlossen.

Mit AMSAT-OSCAR 6 wurde 1972 die Phase 2 gestartet. Ihre Satelliten umkreisen die Erde auf Bahnen zwischen 400 und 2000 km. Damit sind sie zwischen 10 und 25 Minuten von einem Standort aus hörbar und für Funkkontakte zu nutzen. Die Phase-2-Satelliten tragen Solarzellen, um die Batterien nachladen zu können. Damit konnte die Lebensdauer auf mehrere Jahre erhöht werden und auch die Nutzung beim Flug durch den Erdschatten ermöglicht werden.

Satelliten dieser Phase 2 werden auch heute noch gestartet, da die erdnahen Umlaufbahnen gut Erdbeobachtungsmöglichkeiten bieten und Funkkontakte, insbesondere Datenverbindungen, mit kleiner Funkausrüstung ermöglichen. Inzwischen wurden über 50 solcher Satelliten oder Nutzlasten von Funkamateuren der weltweiten AMSAT-
Organisationen und an Hochschulen gestartet.

Satelliten der AMSAT-
Phase 2 umkreisen die Erde auf einer niedrigen Bahn.

Der 1974 gestartete AO-7 ist auch heute noch zeitweise nutzbar. Er enthält einen hocheffizienten UHF/VHF-Transponder samt Antennenkoppler der AMSAT-DL.

AMSAT-OSCAR 7

AMSAT-OSCAR 7 (kurz AO-7) wurde 1974 von der nord-
amerikanischen AMSAT-NA und der AMSAT-DL projektiert und in eine kreisförmige etwa 1.500 km hohe Umlaufbahn gestartet. Als Kommunikationssatellit trägt er einen Nachrichtentransponder (432 MHz nach 145 MHz) und Antennenkoppler der AMSAT-DL an Bord. Der Transponder nutzt eine von der AMSAT-DL entwickelte Technologie zur Steigerung des Wirkungsgrads. Diese HELAPS genannte Technologie wurde später in allen Satelliten der Phase 3 genutzt.

AO-7 verstummte knapp sieben Jahre nach dem Start durch eine kurzgeschlossene Akkuzelle. Es dauerte 21 Jahre bis sich der Defekt chemisch zurückbildete, und im Jahr 2002 wurde AMSAT-OSCAR 7 wieder nutzbar. Im Sonnenlicht können die beiden Transponder zeitweise genutzt werden.

Die Morsesignale der Baken von AO-7 können bei 29,502 MHz, 145,972 und 435,107 MHz empfangen werden. AMSAT-OSCAR 7 hat die NORAD-Katalognummer 07530.

UoSAT-OSCAR 9

1981 wurde von der britischen University of Surrey der Experimentalsatellite UoSAT-OSCAR 9, oder kurz UO-9, gestartet. Er flog auf einer etwa 450 km hohen Umlaufbahn und trug mehrere Technologieexperimente an Bord. Darunter waren Hochfrequenzbaken zur Durchlässig-
keitsmessung der Inonosphäre und für Ausbreitungs-
beobachtung von Kurzwellen. 1989 trat UO-9 wieder in die Erdatmosphäre ein und verglühte.

Nach ihren Erfahrungen mit hocheffizienten Schaltreglern für Spannungsversorgung und Signalmodulation stellte die AMSAT-DL in einer Kooperation für das Projekt UoSAT-
OSCAR 9 einen Batterieladeregler zur Verfügung. Mit diesem Regler wurden über 40.000 Lade-/Entladezyklen der Bordbatterie erreicht.

Nach einem weiteren UoSAT (UO-11) konnte ein “Spin-Off” namens Surrey Satellite Technology Ltd gegründet werden. Das Unternehmen ist heute mit über 20 Satellitenstarts im Bau von Kleinsatelliten erfolgreich.

An Bord von UO-9 (1981) befand sich ein Batterieladerregler mit hohem Wirkungsgrad, der von der AMSAT-DL gebaut wurde.

In AO-21/RS-14 kam ein Digital-
transponder der AMSAT-DL zum Einsatz. Mit ihm wurde die RISC-
Mikroprozessortechnologie im Orbit getestet. Nachfolger des damals verwendeten RTX-2000 werden heute noch in der Raumfahrt einge-
setzt.

AMSAT-OSCAR 21/RS-14

1991 wurde nach nur einem knappen Jahr Entwicklungs- und Bauzeit das russisch/deutsche Joint Venture AMSAT-OSCAR 21 (AO-21) gestartet. Durch die russichen Partner erhielt AO-21 zusätzlich die nationale Bezeichnung Radio-Sputnik 14 (RS-14). Neben zwei UKW-Lineartrans-
pondern der russichen AMSAT-U-Orbita befand sich das RUDAK-2 Experiment der AMSAT-DL an Bord (RUDAK = Regenerativer Umsetzer für digitale Amateurfunk-
Kommunikation)
. 1994 wurde AO-21 zusammen mit dem INFORMATOR-Muttersatellit abgeschaltet.

Kernstück der RUDAK-Einheit waren zwei Rechnersysteme. Mit dem RTX-2000-Prozessor wurde die RISC-Technologie  erfolgreich zur digitalen Signalverarbeitung im Weltraum erprobt. Über vier verschiedene Empfangskanäle konnten unterschiedlich modulierte Signale (BPSK, AFSK, FSK, RSM, FM-analog) vom Rechner verarbeitet werden. Über einen Sendekanal wurden die Daten oder Informationen in acht verschiedenen Modi, darunter auch Bildübertragung, und Modulationsverfahren ausgesendet.

 

Hintergründe - mehr zum Thema

PDF 

Informationsseite AMSAT-OSCAR 7 (PDF, 190 kB)

PDF 

Informationsseite AMSAT-OSCAR 21 (PDF, 230 kB)

PDF 

AMSAT-NA (Nordamerika)

 

Surrey Satellite Technology Ltd.

 

University of Surrey