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Nach dem Gipfeltreffen der Repräsentanten der AMSAT-Vereinigungen von Nordamerika (AMSAT-NA), Großbritannien (AMSAT-UK) und Deutschland (AMSAT-DL), bei dem sich die Gäste einen aktuellen Eindruck über den Fortschritt der Arbeiten an P3-E machen konnten, haben sich AMSAT-NA und AMSAT-UK entschlossen die Gesamtsumme von 40,000 Euro an AMSAT-DL zu spenden, mit dem Ziel den laufenden Betrieb des „Zentralen Entwicklungslabor für Elektronik der Universität Marburg“ (ZEL) aufrecht zu erhalten.

Das ZEL wurde vor über 20 Jahren an der Universität Marburg gegründet und ist gleichzeitig auch die Wirkungsstätte der AMSAT-DL. Seit P3-A haben praktisch alle Phase-3 Satelliten der AMSAT, wie OSCAR-10, OSCAR-13 und OSCAR-40, sowie der neue P3-E, hier ihre Entstehungsgeschichte gehabt. Das ZEL entwickelt für die Philipps-Universität für Forschungsvorhaben benötigte Elektronikgeräte, die auf dem Markt nicht erhältlich sind. Es berät bei Experimentsplanungen und Anschaffung käuflicher Instrumentation und vermittelt Kontakte bei speziellen Problemstellungen. Schwerpunkte sind Allgemeine Meßtechnik und Sensorik, Medizinelektronik, Experimentenautomatisierung und -steuerung sowie Weltraumelektronik und -technik. Zur Zeit arbeiten im ZEL etwa 10 Ingenieure, Techniker, Fachkräfte, die teilweise Angestellte der Universität und teilweise ehrenamtliche Mitarbeiter der AMSAT-DL sind.

Das gegenwärtige Hauptprojekt im ZEL ist der Bau des Phase 3-E Satelliten (P3-E).

Während die Struktur und wichtige Komponenten im ZEL gebaut werden, kommen verschiedene Bestandteile auch aus anderen Teilen der Welt, einschließlich des Bordrechners IHU-3 (Integrated Housekeeping Unit), dem CAN-DO Businterface für die Module, der AzSTAR-Kamera von AMSAT-NA und dem U/V SDX Transponder Modul von AMSAT-UK.

P3-E wird aus einer Vielzahl von Gründen als unerläßlich für die Gemeinschaft der satellitenbegeisterten Funkamateure angesehen. Zur Zeit gibt es keinen hochfliegenden Amateurfunksatelliten mit Transpondern, der simultane weltweite DX-Kontakte ermöglicht. Es gibt zwar Amateurfunksatelliten in niedrigen Umlaufbahnen (LEO), die aber aufgrund ihrer geringen Bahnhöhe und Reichweite nur kurze Funkkontakte (z.B. 10-15 Minuten) ermöglichen. Der geplante hohe elliptische Orbit von P3-E wird hingegen stundenlange Funkverbindungen zwischen Funkamateuren auf verschiedenen Kontinenten ermöglichen und damit auch für ausgedehnten Betrieb und Experimente zur Verfügung stehen. AMSAT P3-E könnte nach dem Start eine Euphorie und einen Schub in der Amateurfunkgemeinschaft auslösen, wie dies damals nach dem Start von OSCAR-10 der Fall war. Ein wichtiger Faktor auch für Investitionen in die Zukunft.

Bei allem Neuheitsgrad, wird P3-E jedoch als ein „Low Risk“ Projekt eingestuft, da viele Designparameter auf dem sehr erfolgreichen OSCAR-13 (P3-C) basieren. Um die Kosten niedrig zu halten, hatte man sich bei Beginn des Projektes entschlossen, eine aus dem "OSCAR-13"-Projekt übrig gebliebene Satelliten-Struktur zu verwenden. Zu den neuen Innovationen gehört beispielsweise der neue U/V SDX-Transponder mit HELAPS, mit einer geplanten Bandbreite von 80-100 KHz, basierend auf DSP-Technologien, wie sie derzeit gemeinsam in Großbritannien und den USA entwickelt werden. Die neue IHU-3 gehört ebenso dazu, sie basiert auch auf den Erfahrungen der IHU-2, die erfolgreich auf OSCAR-40 (P3-D) getestet wurde. Es gibt einige andere Experimente, die verschiedene Techniken demonstrieren sollen, wie sie für den Flug zum Mars mit dem "Phase 5-A"-Raumfahrzeug (P5-A) benötigt werden. Hierzu gehört auch der P5-Transponder, der die extrem schwachen Signale und Kommunikation mit dem Mars simulieren soll. Funkamateure hätten damit die Möglichkeit den Stand ihrer Technik für eine Mars-Mission zu überprüfen.

Der optimale Zeitpunkt für den Flug zum Mars ist ein Start in den Jahren 2009 oder 2011, daher is es wichtig den P3-E Satelliten so schnell wie möglich zu starten. Momentan ist dies für Ende 2008 geplant. Eine rechtzeitige Fertigstellung von P3-E ist daher erforderlich und die nächsten wichtigen Schritte sind eine Vereinbarung mit einer Raumfahrtagentur über einen geeignete Startgelegenheit um den Satelliten in den Orbit zu bringen.

Der Vorstand der AMSAT-DL ist über die großzügige Spende von AMSAT-NA und AMSAT-UK sehr erfreut und bedankt sich auch bei deren Mitgliedern. Weiterhin hofft der Vorstand auf einen deutlichen Motivationsschub in der weltweiten, aber auch deutschlandweiten Spendenbereitschaft für das P3-E Projekt. Umso mehr es uns gelingt weitere Ressourcen innerhalb kürzerer Zeit zu erschließen, desto eher kann P3-E gestartet werden.


Weitere Informationen auf der Webseite von AMSAT-DL http://www.amsat-dl.org/