Drucken

Antenne
Über die Weilheimer 30-m-Antenne soll der Sendeversuch erfolgen.
"Wollen wir es versuchen?" beendet Karl Meinzer einen Aufsatz zur interstellaren Kommunikation im AMSAT-DL Journal. Nun, die AMSAT-DL wird es versuchen!

Durch einen glücklichen Umstand ist über die DLR und die Hamburger Kommunikationsagentur "Faktor 3" ein Kontakt mit dem Internetunternehmen Yahoo! zustande gekommen, das über sein Fotomail-Angebot eine Aussendung von Grußmails in Richtung einer denkbaren außerirdischen Zivilisation plante. Anhand der Untersuchungen von Karl Meinzer zur interstellaren Kommunikation und unter Berücksichtigung der Sendemöglichkeiten über die Weilheimer 30-m-Antenne wurde klar, dass wir heute bereits im Bereich der unteren sinnvollen Leistungsgrenze Signale zu einem der Nachbarsonnensysteme schicken können.

Sternbild
Das Zielobjekt 61 Cygni B befindet sich im Sternbild Schwan.
Dank der Initiative von Yahoo! soll nach letzten Planungen am 12.9. ein solcher Sendeversuch erfolgen. Ziel ist das 11,4 Lichtjahre entfernte Sonnensystem "61 Cygni B" im Sternbild "Schwan". Der Fixstern steht im September ab dem frühen Nachmittag über dem nord-östlichen Horizont und kann nachts mit einem Fernglas im Zenit entdeckt werden (siehe Sternenkarte). Es gibt Hinweise, dass der Stern zumindest von einem sehr großen, planetenähnlichen Objekt umrundet wird.

Die Aussendungen sollen im Bereich bei 10,5 GHz mit ca. 50 W Sendeleistung erfolgen. Durch den Antennengewinn von rund 65 dBi ergibt sich eine Strahlungsleistung von 150 MW. Der Öffnungswinkel der Antenne ist kleiner als 0,1 °, und der Parabolspiegel wurde bei seiner Konstruktion auf hohe Nebenzipfelunterdrückung hin optimiert. Die Daten sollen mit maximal 1 MBit/s mit +/25 ° phasenmoduliert gesendet werden.

Meinzer
Prof. Dr. Karl Meinzer vor einem 1:1-Ingenieurmodell der Marssonde
Ab dem 29.8. werden Grußbotschaften sowohl über die Yahoo!-E-Mail-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! als auch für Funkamateure direkt an uns (s. u.) für die "Mails to Space" genannte Aussendung gesammelt. Für diese erste, gezielte interstellare Aussendung durch Funkamateure wurde eine spezielle Genehmigung bei der Bundesnetzagentur beantragt. Hierdurch wird auch die Besonderheit des Experiments unterstrichen. Technisch wird das Projekt vor Ort durch Dominik Kuhlen (DH0DOM) von der Münchener AMSAT-DL-Gruppe geleitet.

Beweggründe der AMSAT-DL zu dem Versuch

Die AMSAT-DL möchte die Chance zu dieser Aktion “Mails to Space” nutzen, um insbesondere die technischen Eigenschaften der Anlage weiter auszuloten. Die Antenne ist für den Kommandobetrieb mit der geplanten P5A-Marsmission der AMSAT-DL vorgesehen. Andererseits wird damit ein Einstieg in die von Karl Meinzer vorgeschlagenen, ernsthaften Aussendungen zu benachbarten Sternensystemen geschaffen.

Dominik Kuhlen
Der technische Leiter vor Ort, Dominik Kuhlen (DH0DOM), bei Arbeiten an der Anlage.
Es liegt im Wesen des Amateurfunks, einen allgemeinen Anruf (CQ) zu senden, ohne voher zu wissen, ob und wer antworten wird. Wenn es inzwischen technisch für Funkamateure möglich ist, warum nicht auch in Richtung anderer Sonnensysteme, in denen Leben - zumindest theoretisch - denkbar ist.

Schließlich ist die Aktion auch eine gute Gelegenheit, öffentlich auf die Arbeit und Zukunftsprojekte wie P3E und P5A hinzuweisen. Die Raumfahrtmissionen der AMSAT-DL leben immer auch von der Unterstützung der Öffentlichkeit.

Zugriffe: 6589