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AMSAT OSCAR-21 (Radio Sputnik-14) Drucken E-Mail
Geschrieben von: Peter Gülzow   
Freitag, den 25. November 2005 um 13:48 Uhr
Kürzel : AO-21 (manchmal auch RS-14)
Projektname : Radio-M1, RUDAK II
Internationale Kennung: 1991-006A
NASA-catalog-no. : 21087
Start : 29.01.1991 von Plesetsk/Rußland
Erbaut durch : AMSAT-U-Orbita und AMSAT-DL
Muttersatellit: INFORMATOR-1 (Koskon Konstellation)
Maße: 1,8 m x 4 m
Startmasse:
600 kg
Apogäum:
1010 km
Perigäum:
960 km
Inklination:
83°
Nutzlasten: Zwei Lineartransponder der AMSAT-U-Orbita, die je 80 kHz Bandbreite von 435 MHz nach 145 MHz umsetzen konnten. Eine CW-Telemetriebake auf 145.812 MHz. Ein RUDAK-2 Digitaltransponder der AMSAT-DL mit 4 Empfangskanälen auf 435 MHz und einem Sendekanal auf 145.987 MHz.

Mit Rußland in den Orbit

Die erste Ausführung des RUDAK Transponders flog 1988 auf AMSAT OSCAR 13, konnte aber wegen eines Bauteileausfalls nicht seine Aufgabe erfüllen. Mit RUDAK-II schloß sich eine zweite Phase an, bei der neben einer reinen Wiederholung auch die Möglichkeiten zu wesentlichen Erweiterungen genutzt wurden.

RUDAK-II ist der digitale Teil des Amateurfunktransponders RADIO-M1, der Erste, der in deutsch-russischer Kooperation zwischen AMSAT-U-ORBITA in Kaluga und AMSAT-DL nach intensiven Kontakten im Jahre 1989 entstanden ist und nach einer Startverzögerung rund 2 Jahre danach gestartet wurde.  Nachdem Start bekam die Nutzlast die Bezeichnung AMSAT-OSCAR-21, manchmal auch als RS-14 bezeichnet.


Das Mutterschiff

Die Amateurfunknutzlasten befanden sich als Gast auf dem russischen Muttersatelliten „INFORMATOR-1“, der als erster Prototyp für das Koskon  „Global Space Communication System“ gestartet wurde. Das operationelle Koskon-System sollte 32 bis 45 Satelliten der INFORMATOR-Klasse mit mehreren Satelliten in verschiedenen Orbitebenen umfassen. INFORMATOR-1 wurde vom Ministerium für Geologie (GEOS) in Auftrag gegeben, um Daten verschiedener wissenschaftlicher Stationen zu sammeln und an die Bodenstation in der Nähe von Moskau und Omsk zu übertragen. Etwa 1 kW elektrische Leistung standen aus den beiden Solargeneratoren zur Verfügung und die operationelle Lebensdauer war mit mehr als 5 Jahren angegeben. Aufgrund der niedrigeren Umlaufbahn von 1000 km waren mehrere Kontaktfenster von bis zu 25 Minuten Dauer möglich.


No „RISC“ no fun

Technologisches Neuland wurde mit dem zusätzlichen RTX2000 Reduced Instruction Set Computer (RISC) beschritten. Die Architektur dieses Computers besteht aus Strukturen, welche Grundfunktionen der von der AMSAT entwickelten Programmiersprache IPS in idealer Weise in Hardware bereitstellt. Dadurch war dieser zusätzliche Prozessor um ein Vielfaches schneller als der von RUDAK-I und konnte für verschiedene Übertragungsverfahren per digitaler Signalverarbeitung (DSP-Software) eingesetzt werden.

Multi-Media Weihnachtsgrüße aus dem All

AO-21 war ein wahres Multitalent, neben digitalen Betriebsarten mit Datenraten von bis zu 9600 Baud, sowie FSK, BPSK und erstmalig RSM (Rechteck Spektrum Modulation), war nicht nur einfacher AX.25 Mailbox-Betrieb für Store&Forward möglich, sondern es wurden auch FAX-Bilder nach dem WEFAX-Standard ausgestrahlt. Ebenso war RTTY und SSTV möglich. Weiterhin konnte der Sender in FM durch den DSP-RISC Prozessor analog  moduliert werden, z.B. durch digitalisierte Sprache oder als FM-Transponder. Zunächst eher als Testfunktion gedacht, fand der FM-Transponder auch sehr viel Anklang und wurde intensiv genutzt. Auch regelmäßigen FAX und FM-Aussendungen zu besonderen Anläßen fanden ein großes positives Echo, egal ob dies zu Ehren der Apolllo 11 Besatzung beim 25.ten Jubiläum der ersten Mondlandung war oder als zum Weihnachtsfest eine Weihnachtsmelodie erklang. Aufgrund der hohen Ausgangsleistung war AO-21 auch mit Handfunkgeräten sehr gut und einfach weltweit zu empfangen.

Finanzielles Ende

Nach einer erfolgreichen Betriebszeit von 3 ½ Jahren verstummte AMSAT
OSCAR-21 (RS-14) leider plötzlich am 12. Oktober 1994.  Aus finanziellen Gründen wurde der Kommandobetrieb des Hauptsatelliten "INFORMATOR-1", der seine primäre Mission beendet hatte, vollständig eingestellt. Am 16. September hatte die Kommandostation bereits alle bordeigenen Systeme abgeschaltet, dazu gehört auch die aktive Temperatur- und Fluglageregelung.  Lediglich die Betriebsversorgung für AO-21/RS-14 blieb noch weiterhin eingeschaltet. Ausserdem wurde das Kommandosystem, des Muttersatelliten dauerhaft de-aktiviert. Ohne ständige Eingriffe der INFORMATOR-1 Bodenstation geriet der Muttersatellit relativ schnell ausser Kontrolle, sodaß schließlich die Stromversorgung ausgefallen ist. AO-21 wurde seitdem auch nie wieder gehört.
Trotzdem wurde mit RUDAK-II eine Nutzlast geschaffen, die dem Amateurfunk viele Impulse gegeben hat und alle technologischen Komponenten von RUDAK-II waren als Vorläufer für die Auslegung künftiger Satellitenprojekte von größter Bedeutung.
Neben dem technologischen Erfolg, war auch der politische und menschliche Erfolg des gemeinsamen russisch-deutschen Projektes beachtenswert. Aufgrund der vielen Veränderungen in der ehemaligen UDSSR wurde dann auch die geplante Koskon-Satellitenkonstellation aus finanziellen Gründen aufgegeben. Aufgrund der hervorragenden Zusammenarbeit aller Beteiligten, wäre  dort sicher auch Platz für weitere Amateurfunknutzlasten gewesen.



Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 19. August 2006 um 00:10 Uhr