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Geschrieben von: Peter Gülzow   
Samstag, den 27. Mai 2006 um 01:19 Uhr

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Treffen mit Jean-Michel Desobeau (Arianespace)

unter diesem inoffiziellen Motto fand vom 26.-28. April 2006 das Arianespace Customer Seminar statt, zu dem auch die AMSAT-DL ins europäische Raumfahrtzentrum nach Kourou in Französisch Guayana eingeladen wurde.

Nach Begrüßung durch den CEO der Arianespace, Jean-Yves Le Gall, sowie Vertreter von CNES und ESA, erwartete die Teilnehmer ein umfangreiches Programm an detaillierten Vorträgen, Besichtigung des Startgeländes und anderen Aktivitäten.

 

 

Deutschland war unter den 60 registrierten Teilnehmern nur durch die Firmen Kayser-Threde GmbH, EADS-GmbH und durch den 1. Vorsitzenden der AMSAT-DL, Peter Gülzow und P3-E Projektmanagerin Heike Straube, vertreten.

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In den Vorträgen wurde aufgezeigt, wie Arianespace durch industrielle Umstrukturierung das schwierige Jahr 2005 erfolgreich gemeistert hat und es gab einen Ausblick auf 2006, sowie darüber hinaus. „We have put the system back on track“ war dann auch eine der häufigsten Aussagen. Qualität und Transparenz hatte bei den Vorträgen einen großen Stellenwert und es wurde ausführlich dargestellt, welche Maßnahmen und Methoden dem Kunden damit höhere Sicherheit und Performance garantieren sollen.

Die neue leistungsstärkere Ariane 5 ECA gilt inzwischen als voll flugtauglich und wird langsam die schwächere Ariane 5 GS ablösen. Durch die Standardisierung der Prozesse sollen auch die Kosten weiter gesenkt und die Qualität verbessert werden. Ausführlich und sehr offen wurden die Daten der letzten Ariane-Flüge und Startkampagnen dargelegt und diskutiert. Die Fähigkeit der Rakete wurde anhand der Meßdaten und statistischer Auswertung für die einzelnen Raketen-Stufen nachgewiesen und garantieren eine hohe Genauigkeit bei der Navigation und endgültigen Orbit, sowie genügend Reserven. In den nächsten 18 Monaten soll die Leistungsfähigkeit der Ariane 5 ECA weiter verbessert werden, so sollen Veränderungen an den Boostern noch einmal 200kg zusätzliche Nutzlast für GTO bringen. Weitere 150kg Leistungssteigerung sind noch durch Verringerung der Reserven für Unsicherheiten möglich, die man nach weiteren Flügen ständig anpassen wird.

Ein weiterer Vortrag befasste sich ausführlich mit der Auswertung der Daten der Umgebungsbedingungen für die Satelliten, vom Start bis zum Aussetzen im Orbit. Dies betrifft insbesondere das mechanische Verhalten und die Spezifikationen für statische und dynamische Vibrationen, akustisches Rauschen und Schock. Auch hier zeigen die Daten, dass alle Messwerte der vergangenen Flüge innerhalb der vorgegebenen Spezifikationen liegen und teilweise auch deutlich darunter sind. Gezeigt wurde aber auch, wo Verbesserungen erreicht wurden und wie die Belastungen für die Satelliten in Zukunft noch weiter reduziert werden sollen. Hinsichtlich der elektromagnetischen Kompatibilität (EMC) stellt man sich darauf ein, dass die Satelliten zunehmend auch während der Startkampagne elektromagnetische Signale für Telemetrie und Telekommando mit höherer Leistung aussenden.

In weiteren Vorträgen wurde dann unter anderem die neue HSS-3 Nutzlastverkleidung (Fairing) und auch eine neue Serie von verbesserten und standardisierten Nutzlastadaptern vorgestellt. Durch Verwendung eines neuen schock-freien Abtrennsystems für die EPC-Booster seit Flug L518, ist die Abtrennung der Nutzlastverkleidung das entscheidende Kriterium. Die neue HSS-3 Nutzlastverkleidung soll Ende 2007 zum Einsatz kommen und entsprechende Vorversuche am Boden waren schon sehr erfolgreich. In einer weiteren Maßnahme soll das Clampband-Abtrennsystem für die Nutzlasten ebenfalls durch eine schockfreie Variante deutlich verbessert. Das Ziel ist, den mechanischen Schock für die Satelliten beim Abtrennvorgang von 5000 g auf weniger als 1000 g zu reduzieren.

Weitere Vorträge befassten sich mit der Infrastruktur in Kourou für die Durchführung der jeweiligen Startkampagnen, ergänzt durch entsprechende Besichtigungen vor Ort. So wurde auch das neue Startgelände für die Sojus-Rakete besichtigt, die ab November 2008 regelmäßig von Kourou aus fliegen soll. Die ehemalige Startrampe ELA-1 (hier wurden AMSAT P3-A und P3-B gestartet) wird inzwischen für die VEGA-Rakete umgebaut. Die VEGA ist in erster Linie jedoch nur für kleine Nutzlasten in einer tiefen Umlaufbahn gedacht, daher für uns weniger interessant. Die Vorbereitungen für Sojus machen große Fortschritte und die Erdarbeiten sind fast abgeschlossen, 4 Monate vor Plan. Die seit Ariane 4 nicht mehr genutzten Integrationsgebäude werden künftig daher für Sojus und Vega genutzt. Man wies ausdrücklich darauf hin, dass bereits der erste Flug einer Sojus von Kourou ein kommerzieller Flug sein wird, da die Rakete selbst ja bereits eine lang erprobte und zuverlässige Rakete ist. Die Änderungen zur Anpassung an das Klima in Französisch-Guayana seien dabei eher minimal und im Vergleich zu Kasachstan einfach zu beherrschen. Der Startplatz wird nahezu identisch mit Baikonur sein, lediglich eine zusätzliche fahrbare Gantry soll die Rakete und Nutzlast vor dem tropisch feuchten Klima schützen. Zusammenbau und Transport der Sojus erfolgt ebenfalls horizontal, allerdings wird die Nutzlast erst nach Aufrichten der Rakete im mobilen Startturm auf die Rakete aufgesetzt, so wie damals bei der Ariane-4.

Den Abschluss der Konferenz bildete dann eine Aussprache mit Kommentaren zu den Vorträgen. Neben positiven Reaktionen gab es auch etwas Kritik, dass Kleinsatelliten und sekundäre Nutzlasten kaum ein Thema waren.

Am Rande der Veranstaltung, also in den kurzen Pausen und beim gemeinsamen Essen, gab es dann natürlich auch noch Gelegenheit zu verschiedenen interessanten Gesprächen und man traf auch alte Freunde von der P3-D Startkampagne, so z.B. auch den damaligen Mission-Direktor Rick Laurie von PanAmSat und dem PAS-1R Satelliten. Erstaunlich auch, dass AMSAT durchaus unter einigen hochkarätigen Teilnehmer mit einem sehr guten Ruf bekannt war.

Unter den Teilnehmern war auch ein Vertreter von der Educational Office der ESA-ESTEC für das SSETI-Nachfolgeprojekt ESEO (European Student Earth Orbiter), einem über 100 kg schweren Mikrosatelliten, der Ende 2008 als Nutzlast im Huckepack in die geostationäre Umlaufbahn starten soll und für eine Lebensdauer von mindestens 1 Monat geplant wird. AMSAT-UK beteiligt sich an dem Projekt mit einem S-Band Transponder.

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Soyuz launch area (ELS)
 

Aus den Gesprächen am Rande und den offiziellen Informationen kristallisiert sich eine Startoption für P3-E im November 2008 auf der neuen Sojus-Rakete heraus. Hier soll ein neuer Nutzlastadapter für Kleinsatelliten erprobt werden, der auch kompatibel mit Ariane 5 sein soll.

Weitere Klarheit sollen Gespräche mit Arianespace in Paris im Laufe dieses Sommers ergeben. Neben der Rückfallmöglichkeit auf den November 2008 haben wir noch andere Startoptionen im Auge und gehen davon aus, dass P3-E bis zum März 2007 fertig integriert sein muss, damit ein Start Ende 2007 möglich ist - „Launches speak louder than words“.

 

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 28. Mai 2006 um 23:49 Uhr