Horkheimer Preis an Dr. Meinzer
AMSAT-DL Journal


Rudolf Horkheimer Preis des Deutschen Amateur-Radio-Clubs wurde an den AMSAT-DL Vorsitzender Dr. Karl Meinzer vergeben

Im Rahmen der feierlichen Eröffnung der HAMRADIO 96 wurde am 28.6.1996 der Rudolf Horkheimer Preis des DARC e.V. an den Vorsitzenden der AMSAT-DL, Dr. Karl Meinzer vergeben. Lesen Sie im folgenden die Laudatio der DARC-Vorsitzenden, Dr. Horst Ellgering.

Meine Damen, meine Herren, liebe Funkamateure,

Der DARC hat vor einigen Jahren den Rudolf Horkheimer Preis gestiftet, einen Preis, der jährlich für besondere Leistungen im oder für den Amateurfunk vergeben wird. Ich möchte Ihnen nun den diesjährigen Preisträger mit ein paar Worten vorstellen und ihm seinen Preis überreichen.

Träger des Rudolf Horkheimer Preises 1996 ist Herr Dr. Karl Meinzer, DJ4ZC.

Sein Name ist sicher vielen unter Ihnen vertraut. Karl Meinzer ist für alle, die von ihm gehört haben, wohl in erster Linie Initiator des Amateurfunk-Satellitenbaus nicht nur in Deutschland. Er gilt auf diesem Gebiet weltweit als die Nr. 1. Seine diesbezüglichen Aktivitäten gehen bis in die frühen 60er Jahre zurück. Zuerst waren es Ballonversuche, später einfache Satelliten, mittlerweile sind es High-Tech-Projekte, die er mit seinem Marburger Team und in internationaler Kooperation entwickelt. Diese Projekte zeigen, daß Amateurfunk auch heute noch hohen, wissenschaftlich-technischen Anspruch erfüllen kann.

Daß viele der von OM Meinzer eingeführten Innovationen dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung eine finanzielle Förderung wert waren und sind, spricht für ihre fachliche Qualität. Manche der im Kommunikationssatellitenbau heute üblichen Verfahren und Technologien, etwa spezielle Modulationsverfahren oder die technische Beherrschung von Vielfachzugriffen, gehören zu seinen technisch-wissenschaftlichen Eigenleistungen. Sie wurden auf Amateurfunksatelliten erstmalig und für spätere kommerzielle Anwender risikolos erprobt. Auch der neue Amateurfunksatellit Phase 3-D wird erneut Erprobungsträger für erstmals eingesetzte, neue Komponenten sein, für ein magnetisch gelagertes Drallrad als Lagestabilisierungselement und für ein an der Uni Stuttgart entwickeltes Ionentriebwerk. Und als nächstes Projekt zeichnet sich eine Mars-Mission ab.

Aber da ist noch etwas anderes, ein Gesichtspunkt, der nicht so spektakulär, aber mindestens ebenso beachtlich ist wie diese Projekte. OM Meinzer erfüllt als Leiter des Zentralen Elektroniklabors der Universität Marburg eine anspruchsvolle Entwicklungs- und Seviceaufgabe in Forschung und Lehre. Dabei ist sein Credo, Forschung und Lehre zum beiderseitigen Nutzen mit Projekten zu verbinden, an denen sich viele Menschen, auch Nichtwissenschaftler, beteiligen können, um so Breitenwirkung und Synergieeffekte zu erzeugen. Mit seinen Projekten der Weltraum- und der Kommunikationstechnik praktiziert er eine Verbindung von Forschung und Entwicklung an Universitäten mit der Anwendung und Erprobung im Amateurfunk. Die Funkamateure können selbst mitwirken, sie tragen damit, oft ohne das überhaupt zu wissen, auch zu wissenschaftlichen Ergebnissen bei, und sie lernen außerdem eine Menge von der Weltraumtechnik. Karl Meinzer führt so Forschung und Lehre über die Universität hinaus und bringt sie einer Vielzahl von interessierten, meist jungen Menschen nahe, die sonst kaum die Chance zu so etwas hätten.

Kann man einem Land, das von Hochtechnologie zu leben hat, einen besseren Dienst erweisen?

Dr. Karl Meinzer ist ein würdiger Träger unseres Horkheimer Preises.

Dr. Meinzer bedankte sich in einer kurzen, freien Ansprache für die Auszeichnung.
Er betonte, daß die genannten Leistungen ohne die Mitarbeit zahlreicher Helfer niemals Realität geworden wären. Er dankte allen an den Projekten beteiligten, insbesondere seinen Kollegen und Mitarbeitern im Zentralen Elektroniklabor der Phillips-Universität, Marburg, von denen eine Vielzahl ebenfalls Funkamateure seien.