| Phase 3-D | ![]() |
Über die ZF-Matrix (Bild 1) lassen sich die verschiedenen Empfänger, auch mehrere zugleich, mit den Sendern flexibel verbinden. Sofern es die Leistungsbilanz des Satelliten zuläßt, lassen sich zudem zwei Sender parallel betrieben. Da alle Empfänger und Sender die gleiche Zwischenfrequenz nutzen, sind interessante Verbindungen möglich, in denen beide Funkstationen völlig unterschiedliche Frequenzbereiche nutzen. Bild 2 zeigt die Überdeckung der verschiedenen Passbänder für den analogen Bereich der Transponder.
Bild 1:Die ZF-Matrix von Phase 3-D, Knotenpunkte markieren die möglichen Transponderkombinationen.
Bild 2: Die Durchlaßbereiche des Lineartransponders in den einzelnen Bändern
Tabelle 1: Die Modes im Überblick
| Downlink | 145 MHz | 435 MHZ | 2401 MHz | 10450 MHz | 24048 MHz | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Uplink | Bandkürzel | V | U | S | X | Ka |
| 21 MHz | T | TV | TU | TS | TX | TK |
| 24 MHz | H | HV | HU | HS | HX | HK |
| 145 MHz | V | - | VU | VS | VX | VK |
| 435 MHz | U | UV | - | US | UX | UK |
| 1270 MHz | L | LV | LU | LS | LX | LK |
| 2400 MHz | S | SV | SU | - | SX | SK |
| 5650 MHz | C | CV | CU | CS | CX | CK |
Es werden später in der Praxis sicher nicht alle der technisch möglichen Modes in Betrieb genommen. So ist beispielsweise der 21 MHz-Empfänger mit seiner Dipolantenne nur für das Perigäum geeignet, während die X- und Ka-Band Sender mit ihren Richtantennen nur in Apogäumsnähe einsetzbar sind. Der Mode-HX ist also recht unrealistisch.
Denkbar und sinnvoll für den europäischen Raum sind dagegen:
Tabelle 2:
| 146 MHz | 435 MHz | 1260 MHz | 2400 MHz | 5650 MHz | |
| Rauschtemp. | 1000 K | 500 K | 300 K | 300 K | 300 K |
| Rauschleistung | -165 dBW | -168 dBW | -170 dBW | -170 dBW | -170 dBW |
| RX-Signalleistung
bei 23 dB S/N SSB |
-142 dBW | -145 dBW | -147 dBW | -147 dBW | -147 dBW |
| Antennengewinn
Sat |
8 dBi | 13 dBi | 18 dBi | 20 dBi | 20 dBi |
| Dämpfung | 170 dB | 179 dB | 188 dB | 194 dB | 201 dB |
| Boden-PEP | 20 dBWi | 21 dBWi | 23 dBWi | 27 dBWi | 34 dBWi |
| z.B. | 10 W in 7 Ele
50 W in GP |
10 W in 10 Ele
50 W in Dip./Refl. |
10 W in 8 Turn Helix
5W in 60 cm Dish 50 W in Dip./Refl. -2dB |
5 W in 60 cm Dish
1W in 1,8 m Dish |
10 W in 60 cm Dish |
Ausgangspunkt der Berechnungen ist die Rauschtemperatur, die der Satellit aus Richtung Erde "sieht". Da auf den höheren Bändern fast nur die Erde in der Antennenkeule ist, trägt zur gesamten, empfangenen Rauschleistung außer dem Systemrauschen der Satellitkomponenten primär das thermische Rauschen der Erde bei (0°C = 273 K). Auf den tieferen Bändern kommt zusätzlich eine gewisse HF-Verschmutzung hinzu. Außerdem sehen die Antennen dort zusätzlich etwas vom "kalten" Himmel, der bei jenen Frequenzen gar nicht so kalt ist. Im Satellite Experimenter's Handbook von M. Davidoff zeigt ein Diagramm auf Seite 9-1 die Rauschtemperaturen des Himmels über die Frequenz. Diese Rauschtemperatur läßt sich in eine äquivalente Rauschleistung umrechnen. Das Nutzsignal von der Erde muß dieses Rauschen übertreffen.
Ein Teil der Linkverbesserungen von Phase 3-D gegenüber AMSAT-OSCAR 13 geht in die Erhöhung des Signal/Rauschverhältnisses ein. Das macht die Signale leichter verständlich und hilft, Gehörschäden durch übermäßiges Rauschen zu reduzieren. Bei den digitalen Betriebsarten verringert sich durch das bessere S/N-Verhältnis die Häufigkeit von Bitfehlern. Wurden bei AO-13 noch 17 dB S/N angenommen, so sollten es bei Phase 3-D schon 23 dB sein. Das korrespondiert, wie unten zu sehen sein wird, mit den im Downlink erreichbaren Verhältnissen.
Aus der Rauschleistung und dem S/N-Verhältnis errechnet sich die Signalstärke, die am Empfängereingang des Satelliten vorliegen muß. Das von den Antennen aufgenommene Signal kann hingegen um den Antennengewinn kleiner sein. Addiert man nun die Ausbreitungsverluste oder Streckendämpfung zwischen Satellit und Bodenstation, so ergibt sich die am Boden notwendige Uplinkstrahlungsleistung (Boden-PEP). Die Tabelle zeigt einige Muster für eine entsprechende Antenne und Senderausgangsleistung am Boden. Dabei wird immer Zirkularpolarisation vorausgesetzt.
Wie man sieht, werden die Anlagen gegenüber AO-13 merklich kleiner und das trotz des besseren Signal/Rauschverhältnisses. Hier erreicht P3-D das gesteckte Ziel.
Eine weitere Verbesserung gegenüber dem Betrieb über OSCAR-13
wird durch LEILA (LEIstungs-Limit-Anzeige) erzielt. Das Problem der Herabsetzung
der Empfängerempfindlichkeit durch überstarke Stationen (Krokodile)
wird durch LEILA aktiv erkannt. Entsprechende Stationen werden zunächst
durch ein sirenenähnliches Signal auf ihre überhöhte Sendeleistung
hingewiesen und zur Reduzierung aufgefordert. Bleibt die Leistung zu hoch,
wird das Signal durch ein Notchfilter ausgeblendet, dessen Kerbtiefe bei
20 dB liegt. Um sich also wieder Gehör zu verschaffen, müßte
die betroffene Station ihre Leistung um den Faktor 10-100 erhöhen.
Auf jeden Fall erreicht so die Empfängerempfindlichkeit immer ihr
Optimum.
Tabelle 3:
| 146 MHz | 435 MHz | 2400 MHz | 10450 MHz | 24048 MHz | |
| PEP Xpndr | 100 W | 150 W | 50 W | 50 W | 1 W |
| Antennengewinn
Sat |
8 dBi | 13 dBi | 20 dBi | 20 dBi | 23 dBi |
| PEP Sat | 28 dBWi | 34 dBWi | 37 dBWi | 37 dBWi | 23 dBWi |
| PEP je QSO
rund -13 dB |
15 dBWi | 21 dBWi | 24 dBWi | 24 dBWi | 17 dBWi
nur 2-4 QSOs |
| Dämpfung | 170 dB | 179 dB | 194 dB | 207 dB | 214 dB |
| Boden-PEP | -150 dBWi | -158 dBWi | -170 dBWi | -183 dBWi | -194 dBWi |
| Boden-Ant 1 | 10 dBi
7 Ele |
13 dBi
10 Ele |
20 dBi
60 cm Spiegel |
33 dBi
60 cm Spiegel |
40 dBi
60 cm Spiegel |
|---|---|---|---|---|---|
| Signalleistung
je QSO in SSB |
-145 dBWi | -145 dBWi | -150 dBWi | -150 dBWi | -154 dBWi |
| Rauschtemp.
= |
1000 K
3 dB NF |
500 K
3 dB NF |
150 K
1,5 dB NF |
150 K
1,5 dB NF |
300 K
2,5 dB NF |
| Rauschleistung
in SSB |
-165 dBW | -168 dBW | -173 dBW | -173 dBW | -170 dBW |
| S/N | 20 dB | 23 dB | 23 dB | 23 dB | 16 dB |
| Boden-Ant 2 | 5 dBi
Dipol vor Refl. |
5 dBi
Dipol vor Refl. |
13 dBi
8 Turn Helix |
27 dBi
30 cm Spiegel |
|
| Signalleistung
je QSO in SSB |
-150 dBWi | -153 dBWi | -156 dBWi | -156 dBWi | |
| Rauschtemp.
= |
1000 K
3 dB NF |
300 K
2 dB NF |
100 K
0,9 dB NF |
150 K
1,5 dB NF |
|
| Rauschleistung
in SSB |
-165 dBW | -170 dBW | -174 dBW | -173 dBW | |
| S/N | 15 dB | 17 dB | 17 dB | 17 dB |
Entscheidende Faktoren für die auf der Erde ankommende Signalleistung sind die Sendeleistung des Satelliten und dessen Antennengewinne. Beide zusammen ergeben zunächst die gesamte PEP-Strahlungsleistung des Satelliten. Diese Leistung verteilt sich jedoch auf viele Nutzsignale des Lineartransponders und die Baken inklusive RUDAK. Jeder einzelnen Verbindung steht daher nur ein Teil der Spitzenleistung zur Verfügung. Nach einer AMSAT-DL Modellrechnung liegt die Leistung je QSO etwa 10-13 dB unter der Gesamtleistung. Unter Einbeziehung der Streckenverluste ergibt sich die Signalleistung für den Empfang der Bodenstation (Boden-PEP).
Für das erzielte Signal/Rauschverhältnis am Boden sind zusätzlich die Rauschleistung, die Signalbandbreite und der Antennengewinn entscheidend. In der Tabelle sind die Ergebnisse zweier Musterrechnungen dargestellt, die für eine stationäre Ausrüstung und für eine portable Anlage stehen können. Im Gegensatz zum Uplink sind nun die Rauschtemperaturen des Himmels auf den hochfrequenten Bändern niedriger, da überwiegend der kalte Himmel in der Satellitenkeule liegt. Das ist natürlich am Tage anders, wenn der Satellit sich in Richtung zur Sonne befindet. Die Sonne liefert eventuell einen deutlichen Rauschanstieg, was zu einem schlechteren S/N führt.
Auch auf den Downlinkstrecken wird P3-D durch gesteigerte Sendeleistungen und Antennengewinne die in ihn gesteckten Erwartungen erfüllen können. Im Vergleich zu OSCAR-13 werden bei gleichem S/N-Verhältnis die Antennen deutlich kleiner, ja teilweise sogar für den Mobilbetrieb tauglich. Andererseits lassen sich deutlich bessere Signale erzielen obwohl auch stationäre Antennen bei P3-D nicht so groß zu sein brauchen wie noch bei AO-10 oder AO-13.
Wn [mW] = k x Te x B
mit der Bolzmann-Konstanten k = 1,38 x 10-20, der Systemtemperatur Te in Kelvin und der Bandbreite B in Hz in die empfangene Rauschleistung ein. Je kleiner die Bandbreite, desto höher das S/N-Verhältnis bzw. bei gleichem S/N verringert sich der Aufwand. Die folgende Tabelle zeigt die Unterschiede zur SSB-Bandbreite für einige andere Bandbreiten.
Tabelle 4: Leistungsunterschiede für unterschiedliche Signalbandbreiten
| B/kHz | Mode | dB |
|---|---|---|
| 0,5 | CW | +7 |
| 2,5 | SSB/PSK | 0 |
| 20,0 | FM/FSK | -9 |
Wie man sieht, hat dies besonders für die höheren Bandbreiten der digitalen Betriebsarten (z.B. 9600 bps FSK) negative Auswirkungen. Kann im Downlink das Satellitensignal zum Ausgleich noch etwas angehoben werden, so muß die erforderliche Sendeleistung beim Uplink durch die Bodenstation erbracht werden, womit man in etwa wieder beim heutigen Aufwand für AO-13 wäre.
Abstriche beim S/N-Verhältnis können für die digitalen Modes kaum gemacht werden, erhöhen sich doch die Fehlerhäufigkeit und damit die unnötigen Mehrfachaussendungen gleicher Daten. Bei niedrigeren Übertragungsraten, wie z.B. für das 1200 bps PSK Verfahren, kommt man hingegen mit dem Aufwand für SSB-Verbindungen aus, was diese Datenrate besonders für den kurzen Nachrichtenaustausch im Portabelbetrieb wieder attraktiv erscheinen läßt.
Tabelle 5: Modeabdeckung bei 2-Band und 3-Band Geräten
Up | V U S X - Down Up | V U S X - Down ---------------- ---------------- V | - x . x V | - x . x | | U | x - x . U | x - x . | | L | . x . x L | x x x x | | S | . x - x S | . x - x | | C | . x . x C | x x x x 2-Band Gerät 3-Band Gerät - kein Transponderangebot . Transpondermöglichkeit, nicht abgedeckt x Transpondermöglichkeit, abgedecktFür alle mit einem Transverter oder Konverter abzudeckenden Bänder gibt es bereits heute kommerzielle Komponenten oder Bausätze. Lediglich bei der Sender-endstufe für das C-Band fehlt ein entsprechendes Gerät z. Zt. auf dem Amateurfunkmarkt. Baubeschreibungen sind aber schon mehrfach in der UKW-Fachpresse veröffentlicht worden (cq-DL, UKW-Berichte, DUBUS). Da dieses Band anfangs sicher nur von einer experimentierfreudigen Minderheit genutzt werden wird, läßt sich dieser Mangel für Ottonormalanwender sicher noch verschmerzen. Mit zunehmender Attraktivität des Satelliten werden aber sicher auch mehr Komponenten verfügbar werden.
Ein klassisches Experimentierfeld - die Antennen - eröffnet sich mit Phase 3-D wieder besonders den Satellitenamateuren. Schließlich gilt es, die Vielzahl von Bändern mit einem Minimum an Antennen abzudecken. Erste Lösungen und weitere Ansätze dazu gibt es bereits (Einfache Parabolantenne für Satellitenkommunikation selbst gebaut, ON6UG in AMSAT-DL Journal 4/89, Seite 10). Wenn man die Musterberechnungen der obigen Tabellen als Grundlage nimmt, so könnte ein 60cm Parabolspiegel mit Mehrbanderreger gepaart mit je einer kurzen Yagi für 145 und 435 MHz ein Standardsystem für die meisten Anwendungen werden.
Eine universelle und flexible Lösung für alle Modulationsverfahren, die Phase 3-D je bieten kann, wäre ein zum Satelliten baugleiches DSP/DDS/DDC-Modem (Bild 3). Sobald eine neue Modemsoftware für den Satelliten existiert, könnte sie vom Anwender ohne große Änderungen über einen zusätzlichen Daten- und Adressbus in das terrestrische Modem geladen werden. Einziger Haken: die DSP-Signalzüge auf P3-D arbeiten direkt auf der ZF-Ebene bei 10,7 MHz. Man müßte also in vorhandenen Transceivern an die Zwischenfrequenz ankoppeln. Aber das Wesen des Amateurfunks ist ja das Experimentieren.
Bild 3: Das Phase 3-D DSP-Modem
(Zeichnung Peter Gülzow, DB2OS)