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Frank Sperber, DL6DBN

Satelliten DX-peditionen - Planung und Durchführung

Wer unter den Satellitenaktivisten hat nicht schon einmal das quirlige Treiben um eine Station aus einem seltenen Land auf einem der Amateurfunksatelliten miterlebt? Ist dabei nicht auch der Wunsch aufgekommen, selbst einmal von einem sogenannten DX-Spot aus aktiv zu werden und das "Pile-up" managen zu wollen? Nun, so schwer ist das gar nicht, wie ich im folgenden zeigen möchte. Versuchen Sie doch, den nächsten Urlaub mit einer Expedition zu verbinden.

Zielauswahl

Für eine Satellitenexpedition ein geeignetes Ziel zu finden, ist bei weitem nicht so kompliziert wie beispielsweise für Kurzwelle. Der vermeindlich hohe Aufwand hat viele Expeditionen bisher davon abgehalten, entsprechendes Gerät mit auf die Reise zu nehmen. Andererseits gibt es in vielen Ländern mit KW-Amateuren keine oder nur wenige Satellitenstationen. Außerdem kommen täglich neue Satelliten- DXer in unsere Gemeinschaft, die die letzte DX-pedition aus XY-Land gerade nicht mehr miterlebt haben und dankbar auf die nächste Aktivierung warten. Allerdings sollte man die DXCC-Liste zu Rate ziehen, ob eine Anerkennung überhaupt erfolgt ist.

Letztendlich entscheidend bei der Auswahl sind die eigenen Ambitionen (z.B. warme oder kalte Gegend) und die Frage nach dem persönlichen Einsatz an Planungs- und Vorbereitungszeit und an Geld. Verhältnismäßig einfach ist die Aktivität im Rahmen eines Charterurlaubs. Diese Reisen sind vergleichsweise preiswert und bis auf die reine Funkaktivität und deren Ausrüstung vorgeplant. Allerdings sollte man sich vorher um eine Erlaubnis des Hotels bemühen oder sich nach Portabelstandorten auf einer guten Karte umsehen. Interessante Ziele hierfür wären z.B. die Inseln des östlichen Mittelmeers, die Malediven und Seychellen oder die Karibik. Bei mehr persönlichem Einsatz kommen natürlich auch klassische KW DX-Länder in Frage. Aber selbst innerhalb der Europäischen Union, den Mitgliedsländern der CEPT oder dem Baltikum gibt es eine ganze Reihe lohnenswerter Ziele (3A, CT9, ES, GD, GJ, GU, HB0, JW, LX, LY, OH0, OJ0, OX, OY, TF).

Satellitenauswahl und Terminplanung

Eng mit der Auswahl des Zieles ist auch die Wahl der zu aktivierenden Satelliten verbunden. Um es gleich vorweg zu nehmen, Packet-Radio Satelliten sind ungeeignet, weil in den seltensten Fällen Direktverbindungen im Digipeaterbetrieb zustande kommen. Und ob der Austausch einer Mailboxnachricht Gnade vor der DXCC-Kommission finden wird ist fraglich. Auch tieffliegende Satelliten mit Lineartranspondern sind nicht unproblematisch. Stellen Sie sich vor, Ihr Ziel sei eine Insel im Südpazifik. Wann immer z.B. RS-10 vorbeikommt befinden sich nur weitere DX-trächtige Inseln im Hörbarkeitsbereich. Wer soll da für das Pile-up sorgen? Diese "Tiefflieger" sollten Sie also nur in der Nähe der DX-Jäger aktivieren. Die RS-Satelliten sind übrigens recht beliebt und ohne übermäßigen Antennenaufwand zu arbeiten. Ganz klarer Favorit ist aber zur Zeit (1995/96) AMSAT-OSCAR 13! Doch auch der gute alte AMSAT-OSCAR 10 kann von Zeit zu Zeit aktiviert werden.

Bei diesen beiden Satelliten kann man aber nicht einfach die Koffer packen und losfahren. Durch ihre Flugbahnen gibt es Zeiten, in denen eine Expedition aussichtsreicher ist. Eine Aktivierung von AO-10 macht nur noch Sinn, wenn sich das Perigäum über der dichter besiedelten Nordhalbkugel befindet und im Sonnenlicht liegt. Man sollte seine Expedition aber nicht alleine auf diesen Satelliten ausrichten. Seine Verfügbarkeit ist zu unbeständig. AO-13 kann hingegen immer aktiviert werden. Aber auch hier gilt es einiges zu bedenken.

Durch die unterschiedlichen Fluglagen des Satelliten (150/0, 180/0 210/0 o.ä.) ergegben sich unterschiedlich lange Betriebsmöglichkeiten pro Orbit [1], die aus dem vertretbaren Squintwinkel resultieren. Die längste Phase bietet die Lage 180/0, sie hat aber den Nachteil, daß sie im Apogäum liegt und dementsprechend weit von der Erde entfernt ist. Das bedeutet unter Umständen einen erhöhten Stationsaufwand. Aber nicht immer werden Sie Gelegenheit haben, ihren Reisetermin nach der Fluglage zu wählen. Trotzdem sollte man einen Blick auf die langfristigen Planungen der Transponderzeiten werfen, wie sie von den Kommandostationen via Satellitenbake oder Packet-Radio bekannt gegeben werden. Denn Sie müssen auch berücksichtigen, zu welchen Tageszeiten der Satellit seine Antennen zur Erde neigt und ob er Sie und die Länder der DX-Jäger abdeckt.

Jersey-Expedition (12.6 kB)
Jan, DJ8PJ, während der DX-pedition auf die Kanalinsel Jersey
Antennen: 7 Ele. vertikal auf 2 m, 11 Ele. rechtszirkular auf 70 cm

Damit auch wirklich ein Pile-up entsteht, muß der Satellit entweder in Europa, Nordamerika oder über Japan und dem DX-Standort hörbar sein. Und das zu Tageszeiten, zu denen in der Regel die Mehrheit der Satellitenfunkfreundinnen und -freunde nicht der Arbeit nachgehen. Es muß in den Zielgebieten also später Nachmittag oder Abend sein. Man sollte sich möglichst mit den Betriebszeiten danach richten. An einem Wochenende muß man soagr Durchstehvermögen mitbringen, um jeden Orbit nutzen zu können.

Die Wahl der günstigsten DX-peditionszeit ist also fast noch wichtiger als die mitzunehmende Funkanlage. Verwenden Sie ausreichend Zeit darauf. Leider gibt es noch kein Computerprogramm, das Ihnen diese Arbeit vollständig abnimmt.

Die Funkausrüstung

Wenn Sie sich für ein Ziel und den passenden Zeitrahmen entschieden haben, sollten Sie ihre Stationsausrüstung zusammenstellen. Natürlich unterscheidet sich von HF-technischer Seite der Betrieb in einem DX- Land nur unwesentlich vom Betrieb an der heimischen Satellitenstation. An eine tragbare Funkanlage stellen sich aber besondere logistische Anforderungen. Dazu gehören ein geringes Gewicht, eine kleine, handliche Größe und eine Stabilität und Robustheit, die einem rauhen Einsatz unter extremen äußeren Einflüssen, wie Hitze, Kälte, Verunreinigungen oder Feuchtigkeit widersteht. Was Größe und Gewicht anbelangt, so sollte eine derartige Station möglichst von einer einzelnen Person zu transportieren sein, damit die Station ohne fremde Hilfe an ihren Einsatzort gebracht und aufgebaut werden kann. Mitreisende haben meistens wenig Verständnis für den "Funkverrückten" oder sind mit dem Aufbau der eigenen DX-Anlage beschäftigt. Damit ergibt sich eine obere Gewichtsgrenze von 20 kg und ein Größenlimit von etwa 2 Koffern oder einem großen Transportrucksack plus Handgepäck. Bedenkt man, daß z.B. bei einem mehrtägigen Fußmarsch weitere Ausrüstungsgegenstände mitzunehmen sind oder das Gepäckgewicht bei Flügen begrenzt ist, sollte die gesamte Funkausrüstung noch leichter sein. Nur eines sollte man nie vergessen: einen erstklassigen Empfangsvorverstärker an der Antenne. Dann kann die Antenne schon mal eine Nummer kleiner sein, ohne gleich die Kopfhörer in die Ohren saugen zu müssen.

Die Stromversorgung

Einer der wichtigsten Aspekte bei der Zusammenstellung einer tragbaren Satellitenfunkanlage ist die Stromversorgung. Je länger und weiter man sich mit der Anlage von der menschlichen Zivilisation entfernt, desto mehr Aufmerksamkeit muß man der benötigten Energie widmen. Soll die Anlage im Rahmen eines Urlaubs vom Balkon des Berg- oder Strandhotels betrieben werden, so stellt die Stromversorgung in der Regel kein Problem dar. Eine Steckdose wird vorhanden sein, alles was man braucht ist ein passendes Netzteil. Manchmal kann es günstiger sein, einen Akkumulator zu benutzen und diesen während des Betriebs aus einem Ladegerät zu puffern und in den Pausenzeiten zu laden. Neben der Möglichkeit, Stromausfälle überbrücken zu können, kann diese Kombination auch vom Gewicht her günstiger sein. Insbesondere Bleigel- Akkus können kurzzeitig hohe Spitzenströme abgeben, für die ein vergleichsweise kräftiges Netzteil notwendig wäre. Berücksichtigen Sie auf alle Fälle die ortsübliche Netzspannung und Steckdosennorm.

Auf einer mehrwöchigen Treckingtour, fernab von jedem Kraftwerk, wird die Versorgung ungleich schwerer. Neben dem unverzichtbaren Akkumulator muß auch eine passende Energiequelle zum Nachladen mitgeführt werden. Als Akkus eignen sich sowohl Nickel-Cadmium, Nickel-Hydrid wie auch Bleigelbatterien. Bleiakkumulatoren mit flüssiger Säurefüllung sind für den Transport zu riskant und dürfen in Flugzeugen nicht mitgeführt werden. NiH-Akkus sind zwar bei gleicher Kapazität leichter als andere, aber sie sind noch nicht überall zu günstigen Preisen erhältlich. Was das Gewicht betrifft, sind die gängigen NiCd- und Bleigel-Akkus vergleichbar, bei 12 Volt muß man mit etwa 350 Gramm pro Amperestunde rechnen. Bei kleinen Kapazitäten können Bleigelakkus in den Spitzen mehr Strom liefern als vergleichbare NiCd-Batterien, was bei einem Strom von 6 bis 8 Ampere für einen 25 Watt Sender nicht zu vernachlässigen ist.

Um den Akkumulator netzunabhängig aufladen zu können, bieten sich mehrere Lösungen an, die von den Witterungsverhältnissen des Einsatzortes abhängen. In einer Region mit viel und sicherem Sonnenschein wird man bestimmt auf Solarzellen zurückgreifen, die man mittlerweile ohne Schwierigkeiten zu akzeptalen Preisen erhalten kann. In Gebieten mit geringer Sonnenscheindauer kommen Windgeneratoren oder Benzingeneratoren in Frage. Beide Systeme sind leider im Kleinleistungsbereich 5-20 Watt kaum auf dem Markt zu beschaffen, so daß oft nur der Eigenbau bleibt. Beliebt sind Konstruktionen aus Fahrraddynamos oder Mopedlichtmaschinen und Modellbaumotoren. Eine sicher preiswerte und nicht allzu schwere Lösung. Dennoch muß man zwischen 2 und 5 kg bei einem solchen Generator rechnen. Zusammen mit einem Akku von 10 bis 12 Ah und 5 kg Gewicht würde die Stromversorgung schon die Hälfte des Gepäckgewichts eines Charterflugs in Anspruch nehmen.

Die Kapazität des zu verwendenden Akkus und die notwendige Ladeleistung lassen sich bereits grob aus dem Strombedarf der Funkanlage, der Betriebszeit und der möglichen Ladezeit korrelieren. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen.

Durchschnittlicher Stromverbrauch:
3 A, aus 1/3 TX mit 6A, 2/3 RX mit 1,5A bei SSB und CW

Tägliche Betriebsdauer:
2-2,5 h

Daraus ergibt sich, unter Berücksichtigung einer schnelleren Entladung der Akkus durch höhere Ströme und etwas Reserve (Faktor 1,5), eine erforderliche Kapazität von:

3 A x 2-2,5 h x 1,5 = 9-11,25 Ah

Das würden z.B. schon zwei der handelsüblichen 6 Ah Bleigelakkus zur Verfügung stellen.

Diese Energie plus Ladeverluste (Faktor 1,5) müßte nun durch einen Generator täglich zum Laden geliefert werden. Ein kleines Benzinaggregat, das zusätzlich zur Betriebszeit für weitere vier Stunden laufen kann, muß demnach drei Ampere Ladestrom liefern. Damit unterliegen die Akkus jedoch bereits einem Schnelladeprozeß, der ihre Lebensdauer herabsetzt. Günstiger wäre es, die Ladezeit über Solarzellen auszudehnen. In Sonnenregionen könnte mit maximal zehn Stunden Ladezeit täglich gerechnet werden. Das Solarpanel müßte also einen durchschnittlichen Ladestrom von rund 1,5 Ampere bieten. Spezielle Leichtsolarmodule liefern heute bereits 20 bis 25 Watt bei einem Gewicht unter 3 kg.

Wenn man den Einsatz der Funkanlage mit der Verwendung eines Kraftfahrzeugs verbinden kann, ist man natürlich besser bedient, da Akku und Generator mitgeliefert werden. Auch bei einer Großexpedition mit schwerem Generator lassen sich 50 W für die Erdefunkstelle abzweigen.

Die Funkgeräte

Leider ist der Funkgerätemarkt der handlichen, leichten und einseitenbandtauglichen VHF- (144-146 MHz) und UHF-Transceiver (430- 440 MHz) sehr dünn gesät. Es gibt einige CW/SSB-fähige Mobil- oder Portabelgeräte jeweils für 2 m und 70 cm. Tragbare Kombigeräte gibt es leider noch nicht. Gebraucht lassen sich auch ältere Portabelgeräte noch erwerben. Eventuell ist für diese Transceiver der Zukauf einer Linearendstufe mit 20 bis 30 Watt Ausgangsleistung für den Sendebereich notwendig. Wer Gewicht und Größe nicht scheut oder die gesamte Anlage bequem im Fahrzeug transportieren kann, kann selbstverständlich auch auf stationäre Sendeempfänger zurückgreifen. Sie lassen sich fast ausnahmslos auch mit 12 V aus der Fahrzeugbatterie speisen. Das Gewicht der Mobil- und Portabelgeräte liegt mit Endstufe um fünf Kilogramm. Die Stationsgeräte bringen schon neun bis zwölf Kilogramm auf die Waage. Alle diese Anlagen liegen mit ihrer Sendeleistung im Bereich um 25 Watt, was für die spätere Auswahl der Antennen von Bedeutung ist.

Komplette Geräte für den Empfang des 12cm-Bandes (2400 MHz) gibt es aus technischen Gründen nicht. Stattdessen kommt in der Regel ein rauscharmer Konverter direkt am Antennensystem zur Verwendung. Dieser Konverter setzt das bei 2,4 GHz empfangene Signal auf eine Zwischenfrequenz von 144 MHz um, die dann mit einem der gerade beschriebenen VHF-Geräte empfangen wird. Neben zahlreichen Baubeschreibungen in der Amateurfunkliteratur (cq-DL, DUBUS, UKW- Berichte) gibt es inzwischen auch Bausätze und Fertigkonverter zu kaufen (SSB-Electronic, Electronicladen Münster, Giga-Tech).

Die Antennenanlage

Vom vorhandenen Gerätepark ausgehend ist es an der Zeit, einen Blick auf die Antennenanlage zu werfen. AO-13 soll mit einer maximalen Sendeleistung von 250 Watt EIRPc angesprochen werden soll. Dies ist ein Äquivalent der effektiv abgestrahlten Leistung, bezogen auf einen Isotropstrahler mit zirkularer Polarisation. Diese Strahlungsleistung läßt sich bereits mit einem 25 W Sender an einer Yagiantenne mit 10 dBi = 8 dBd Gewinn erreichen, sofern sie rechtdrehend zirkular polarisiert ist. Verwendet man eine linear polarisierte Antenne, muß ein Verlust von 3 dB durch den Polarisationsunterschied ausgeglichen werden. Die Antenne müßte mindestens 13 dBi = 11 dBd Gewinn besitzen. Eine solche Antenne wäre für das 430 MHz-Band knapp 2 m lang. Mit einer gleich langen Antenne für 145 MHz erreicht man einen Gewinn von etwa 10 dBi oder 7 dBic. Zusammen mit einem besonders rauscharmen Vorverstärker direkt am Speisepunkt der 145 MHz-Antenne lassen sich die Signale von AMSAT-OSCAR 13 mit einem Signal/Rauschverhältnis von 18 dB aufnehmen, wie ZRO-Tests zeigten. Der wesentliche Vorteil linearer Antennen liegt darin, daß 70 cm und 2 m Teil senkrecht zueinander auf einem gemeinsamen Träger montiert werden können. Dies ist für den Platzbedarf beim Transport und den späteren Montageaufwand günstiger. Wenn es keine Größenbeschränkung gibt, können selbstredend getrennte, dann auch zirkulare, Antennen eingesetzt werden.

Die oben beschriebenen Antenneneckwerte stellen aber noch nicht das mögliche Minimum dar. Unter bestimmten Rahmenbedingungen, wie optimale Positionierung der Satellitenantennen auf die Erde, einer Elevation von über 45 Grad und wenig Funkbetrieb mit moderaten Signalstärken auf dem Satelliten, wurde bereits erfolgreich Sprechfunk mit einem 25 W Sender an einer linearen 4 Element-Richtantenne auf 70 cm (6 dBic Gewinn) und einer HB9CV-Antenne auf 2 m (3 dBic) mit extrem rauscharmem Vorverstärker durchgeführt. Leider wird häufig durch Krokodile mit extrem hoher Strahlungsleistung (über 500 Weirpc) die Empfindlichkeit der Satelliten deutlich reduziert, was den zufriedenstellenden Funkbetrieb mit einer solchen Minimalausrüstung leider unmöglich macht.

Spitzbergen-Expedition (14.5 kB)
Das Zelt mit dem Antennenmast in der Blomstrandbucht auf Spitzbergen
Antennen: 7 Ele. auf 2 m, 11 Ele. auf 70 cm auf gemeinsamem Boom
Solarpanel: 7 Watt, Akku: 6 Ah

Für den Empfang des Mode-S Signals auf 2400 MHz eignet sich bereits ein Parabolspiegel mit rund 60 cm Durchmesser (Gewinn 20 dBi) zusammen mit einem der handelsüblichen Konverter. Dabei wird zirkular rechtsdrehende Polarisation vorrausgesetzt. Aber selbst bei linearer Polarisation mit 3 dB Verlust ist ein Empfang noch möglich. Möchte man es noch kleiner haben, so wurden bereits Experimente mit einer 50 cm langen Helixantenne (16 dBi) erfolgreich durchgeführt, allerdings muß ein erstklassiger Vorverstärker mit einer Rauschzahl von etwa 0.6 dB eingesetzt werden. Konverter wie Vorverstärker sollten zur Vermeidung jeglicher Kabelverluste direkt an den Speisepunkt des Erregers montiert werden.

Für den Mode-B von AMSAT-OSCAR 10 bedarf es einer kurzen Zusatzbetrachtung. Bei diesem Satelliten sind die zirkular polarisierten Richtantennen zur Erde nicht mehr in Betrieb. Stattdessen wird eine lineare Rundstrahlantenne benutzt. Zusammen mit einer unklaren Fluglage kann es mit linearen Bodenantennen theoretisch bis zu 20 dB Polarisationsverluste geben. Da der Satellit in der Praxis jedoch nur noch beim erdnahen Vorbeiflug im Perigäum genutzt wird, kann man durch leichtes Verdrehen der Antennen um die Strahlungsachse eine ausreichende, ja zum Teil sogar höhere Signalstärke als über AO-13 erreichen. Allerdings sind diese Signale mit starkem Schwund durch die Eigenrotation des Satelliten behaftet.

Die beschriebenen Antennen müssen natürlich in irgendeiner Form befestigt werden, allerdings muß dabei eine Nachführung auf die beweglichen Satelliten möglich sein. Man sollte das Strahlungsfeld der Antennen unbedingt frei von metallischen Teilen eines Mastes halten. Für eine Kombination aus VHF- und UHF-Yagis auf einem gemeinsamen Tragrohr bedeutet dies, daß kein Befestigungsteil parallel zu den Antennenelementen verlaufen darf. Eine Befestigung in der Winkelhalbierenden zwischen den beiden Antennenebenen ist aber möglich. Beliebt und erprobt für derartige Portabelantennen sind Fotodreibeinstative mit einem entsprechenden Adapter zwischen Kamerahalterung und Antenne. Wem solch ein Stativ zu schwer ist, kann es mit einem leichten Glas- oder Kohlefaserrohr und einer Dreibeinabspannung versuchen, wobei die Antenne über ein oder zwei Steuerseile und die Antennenkabel auf den Satelliten ausgerichtet wird. Sie hängt dann frei beweglich in einer Schlaufe am Mast.

Einen Spiegel kann man einfach auf den Boden stellen und mit zwei Stützen mit einstellbarer Länge in der Neigung positionieren. Bei einem Öffnungswinkel von 12 Grad muß der Spiegel nur selten durch Drehen in der Horizontalen dem Satelliten nachgeführt werden. Etwas schwieriger ist eher die erste Positionierung auf den Satelliten. Ein gutes Fotostativ vereinfacht diesen Vorgang.

Ausrüstungcheckliste

Hier eine kleine Checkliste für eine Mode-B Aktivität:

Für Aktivitäten in Mode-S kämen noch hinzu:

Vergessen Sie nicht, die ganze Anlage vor der Reise mehrfach unter Einsatzbedingungen zu testen! Das bewahrt einen vor unliebsamen Überraschungen am DX-Ort.

Transport und Reiseplanungen

Für die Reise müssen Funkgeräte und Antennen stabil und sicher verpackt werden. Für die zerlegten Yagi-Antennen haben sich Installationsrohre bewährt. Sie sind wasserdicht und schützen gegen rauhe Behandlung beim Verladen in Bahn, Flugzeug oder Schiff. Eine große Papprolle tut es manchmal auch. Zum Schutz gegen Stöße und Fremdkörper empfiehlt es sich außerdem, die Transceiver gepolstert zu verstauen. Beliebt, weil einfach, ist das Einpacken in die Reisewäsche. Gesonderte, gepolsterte Transportkisten sind auch stabil. Sie bedürfen bei der Sicherheitskontrolle an Flughäfen aber oft einer besonderen Kontrolle.

Bleibt noch die Frage, wann die Satelliten in welcher Richtung am Einsatzort genutzt werden können. Für AO-10 und AO-13 kann man vor der Reise zu Hause die Daten berechnen und ausdrucken lassen. Eine DIN-A4 Seite pro Satellit und Tag ist selbst bei einem mehrwöchigen Einsatz leichter als ein zusätzlicher Computer. Eine Vorrausberechnung von ein bis zwei Monaten ist bei diesen beiden Satelliten allenthalben genau genug.

Formalitäten

Je nach Zielland muß man sich frühzeitig um eine Gastlizenz bemühen. Bei Ländern die die CEPT-Empfehlung T/R 61-01 in Kraft gesetzt haben entfällt dieses Verfahren. Für fast alle anderen Länder erhält man Unterlagen und Antragsformular über die Geschäftsstelle des DARC e.V. [4]. Den Gastlizenzantrag sollte man je nach Land bis zu einem halben Jahr im voraus stellen. Näheres geht aber aus den DARC-Unterlagen hervor.

Satelliten DX-peditionen führen immer ins Ausland. Hierbei sind die jeweiligen Zollbestimmungen zu beachten. Innerhalb der EU sind mittlerweile keinerlei Formalitäten mehr notwendig. In alle anderen Länder sollte man zumindest Kopien der Rechnungen mitführen, um bei Rückreise in die Bundesrepublik Deutschland den Kauf der Geräte in DL nachweisen zu können. Wer auf Nummer sicher gehen möchte kann beim nächsten Zollamt ein Auskunftsblatt Rückwarenregelung (INF3) ausstellen lassen oder über die Industrie- und Handelskammern ein "Carnet-A.T.A. erhalten. Diese Dokumente sind gebührenpflichtig (Carnet z.B. DM 80-100). Genauere Hinweise über die Verwendung dieser Bescheinigungen erteilen die Zollämter bzw. die nächstgelegene IHK.

Ein nicht ganz unkritisches Thema sind die Sicherheitskontrollen an Flughäfen. Die Erfahrungen haben gezeigt, daß eine Mitnahme von Geräten im Handgepäck zu großen Schwierigkeiten bis hin zur Mitnahmeverweigerung führen. Hingegen war ein Transport im normalen, aufgegebenen Gepäck bisher immer unproblematisch, von Batterien einmal abgesehen. Trockenbatterien, andere sind sowieso nicht erlaubt, habe ich persönlich immer mit ins Handgepäck genommen. Das hat mehrere Gründe. Einerseits reduziert dies das Gewicht, da nur selten das Handgepäck mitgewogen wird. Zum anderen habe ich schon einmal gefrorenes Gepäck aus dem Laderaum eines Billigfliegers erhalten. Extrem tiefe Temperaturen bekommen den meisten Batterien nicht so gut. Der wichtigste Grund ist aber das Verhalten der Batterien beim Durchleuchten. Sie sind ein schwarzer Block. Wird so etwas im normalen Gepäck irgendwo auf dem Weg vom Schalter zum Flieger gefunden, kann schon mal der Koffer geöffnet werden, und man wird unverhofft herausgerufen. Unangenehm! Bei meinen Blei-Gel-Akkus im Handgepäck ist es mir bisher immer gelungen, das Sicherheitspersonal von der notwendigen Mitnahme zu überzeugen (mit dem Temperaturargument). Allerdings sollte man der Landessprache oder des Englischen leidlich mächtig sein. All das wird hinfällig in Krisenzeiten oder bei Reisen in Krisengebiete. Hier sollte man unbedingt, auch schriftlich, Kontakt mit der Fluggesellschaft und dem Sicherheitsdienst des Flughafens aufnehmen und die Gerätemitnahme abklären. Das macht man am besten noch vor der Buchung, um im Fall einer Mitnahmeverweigerung anders planen zu können.

Unproblematisch ist der Transport an Bord von Schiffen in punkto Sicherheit. Nur Benutzen darf man die Anlage nicht. Es sei denn auf Freizeitbooten (ohne Ausrüstungspflicht nach Schiffssicherheitsverordnung) mit Zustimmung des Schiffsführers.

Erfahrungsberichte

An dieser Stelle möchte ich für nähere Berichte einzelner Aktivitäten auf die Beiträge [5-9] verweisen. Eine ganze Reihe der oben genannten Tips habe ich durch Erfahrungen auf meinen Expeditionen gewonnen. So hatte ich für meine erste Alleinexpedition auf die Isle of Man die Tageszeiten nicht genügend berücksichtigt, und prompt blieb das erwartete Pile-up aus. Für Spitzbergen hatte ich wohl im Vorfeld nicht genügend getestet, denn vor Ort gab es plötzlich Einstrahlprobleme des Senders in die Empfangsanlage. Dies ist übrigens bei der geringen Entfernung der Antennen zueinander und zu den Geräten ein generell nicht zu vernachlässigendes Phänomen.

Spitzbergen-Expedition (9.0 kB)
Frank, DL6DBN, während der DX-pedition auf die Polarinsel Spitzbergen
Geräte: FT-790RII (25 W Sendeleistung), FT-290RII

Bei den DX-peditionen am letzten DXCC-Wertungstag der ehemaligen DDR und auf die Kanalinseln hatten Jan Schauff, DJ8PJ, und ich dagegen mit reichlich Andrang zu tun. Zeitweise mußten wir sogar Maßnahmen ergreifen, um etwas Ordnung in das Chaos der anrufenden Stationen zu bringen. Im Prinzip sollte eine Teilung der eigenen Sende- und Empfangsfrequenz nicht notwendig sein, da alle Stationen das Geschrei mithören können und sofort die PTT loslassen sollten. Nun ja, die Realität sieht anders aus, und wir haben zum Split-Betrieb gegriffen. Das hat damals zu ziemlicher Verwunderung und Verwirrung geführt, aber es hat geholfen. Wird es einem dann immernoch zu bunt, kann man zusätzlich die Stationen nach gezielten Präfixen abarbeiten. Die Maßnahmen können auch andersherum versucht werden. Und immer hartnäckig bleiben. Es gibt ständig ein paar Quertreiber, die im DX- Fieber den Kopf verlieren.

Jan und ich haben es und zur Auflage gemacht, nur Stationen zu arbeiten, die nicht stärker als die Satellitenbake sind. Alle stärkeren Stationen setzen die Leistung des Transponders herab und verschlechtern damit die Chancen, schwache Stationen zu arbeiten oder selbst mit einem schwachen Signal gehört zu werden. Leider gibt es auch hier schwarze Schafe, die nach mehrmaliger Aufforderung, die Sendeleistung zu reduzieren, anfangen zu stören. In solch einem Fall haben wir die Station, der Ruhe willen, doch gearbeitet aber im Logbuch einen Vermerk angebracht. Diese Stationen warten noch heute auf ihre QSL-Karten. No crocodiles or alligators desired!

Was bringt die Zukunft?

Für Expeditionen der beschriebenen Art kommt der nächste Satellit mit Phase 3-D hoffentlich 1996. Durch die Erschließung höherer Frequenzbereiche und größerer Transponderleistung gepaart mit LEILA zur Vermeidung von Krokodilen werden die Antennenanlagen am Boden deutlich kleiner, bei gleichzeitig besseren Signalen. DX-peditionen quasi aus dem Koffer mit den Antennen im Deckel werden denkbar.

Danksagung

Meinen Dank muß ich Jan Schauff, DJ8PJ, für eine Reihe von Informationen über seine Expeditionen nach 3A, C6A und die Beteiligung an unseren gemeinsamen Satellitenaktivitäten in HB0, Y2 [7], GJ und GU aussprechen. Ein Dankeschön auch an Reinhard Hardy Schulze, DC8TS, für Informationen über seine Expedition nach SV9 [10].

Anmerkung aus dem Jahr 2001

Inzwischen gibt es AO-13 nicht mehr, nachdem er 1996 beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht ist. AO-10 kann durch den Ausfall des Bordrechners nicht mehr aktiv gesteuert werden und ist ist nur zeitweise bei guter Sonneneinstrahlung nutzbar. Der Nachfolger AO-40 wird dafür gute Arbeitsbedingungen insbesondere im Mikrowellenbereich (L- und S-Band) bietet. Statt einer hohen Sendeleistung und ausladenden Yagis mit Vorverstärkern reichen dann ein 60-cm-Spiegel und S-Band Downkonverter sowie L-Band Upkonverter für den Betrieb.

Quellen und Literatur

  1. Was ist "Squint"?, DB2OS, AMSAT-DL Journal 2/88 S.12
  2. AMSAT-DL Satellitenhandbuch, DJ8PJ, DF5DP, DL6DBN, beam-Verlag, Marburg, 1992
  3. AMSAT-OSCAR 13, aus dem Rucksack QRV, DL6DBN, AMSAT-DL Journal 4/89 S.9
  4. DARC e.V., Postfach 11 55, D-34216 Baunatal
  5. Bericht von der UKW-Expedition nach C6A im Mai 1989, DJ8PJ, AMSAT-DL Journal 3/89 S.14
  6. Die Erstaktivierung von Monaco (3A) auf OSCAR 13, DJ8PJ, AMSAT-DL Journal 4/89 S.7
  7. Isle of Man - ein Expeditionsbericht, DL6DBN, AMSAT-DL Journal 2/90 S.17
  8. Einmal Spitzbergen und zurück, DL6DBN, AMSAT-DL Journal 2/93 S.34
  9. Der letzte Orbit aus Y2, DJ8PJ, DL6DBN, AMSAT-DL Journal 4/90 S.26
  10. Reinhard Schulze, DC8TS, persönliche Mitteilungen


© AMSAT-DL/DL6DBN, Stand 06/1993, Ergänzung 01/2001
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